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Mi nueva familia

02.09.06

Heute kommt meine "richtige" Gastfamilie... En el mediodía o en la tarde (=Am Mittag oder Nachmittag)... es ist ein schwindelerregendes Gefuehl... ich kenne es schon - von dem Moment, als wir die Stadtgrenze Ambatos passierten. Trotzdem ist es nicht weniger eindruecklich. Diese Familie wird mein kommendes Jahr zu einem grossen Teil praegen. Man moechte sich vorbereiten. Es ist ein Gefuehl von Angst, von Neugierde, von Freude, von Scheu... das verharrt in schwindelnder Erwartung.
Ich komme wieder mit zum Einkaufen und schiebe den Einkaufswagen mit Juan Andrés, der mit seinen sechs Jahren noch locker in den eingearbeiteten Sitz passt. Ich entdecke etwas Neues im Regal: Kaktus!
Die Wassermelonen haben gigantische Ausmasse; Der groesste Sack Zucker umfasst 10 kg...
Ich hole Katzenfutter vom Regal, da meine Mutter nicht dran kommt - als ich sage, in Deutschland sei ich klein, gucken sie fast schon entsetzt...
...und dann kommen sie. Jaime (der Vater), Dani (eigtl Daniela, meine 16-jaehrige Gastschwester), Joshe (eigtl Maria José, meine 13-jaehrige Gastschwester) und Santi (eigtl Santiago, mein 12-jaehriger Gastbruder) und strahlen und erzaehlen eifrig von Galapagos - ich verstehe nur, dass sie viel gelaufen sind...
Santi erklaert mir auf der Heimfahrt, er faende meine Frisur toll, er wuerde die Haare auch gern so schneiden, aber der Vater moege es nicht. Zu Hause begruessen mich erstmal die zwei Hunde, Princessa und Stacy, eine schwangere Chau-Chau-Dame und eine schlanke Schaeferhuendin. Das Grundstueck ist riesig. Der Strasse am naechsten steht das Haus der Grosseltern, dann unseres, dahinter eine Brokkoli-Plantage, eine Klamottenfabrik, sowie eine, wo Wein hergestellt wird. Ich bin in Joshes Zimmer untergebracht (sie schlaeft bei der Schwester) - rosa Bettwaesche, eine lila Wand, an der eine Schaar von Kuscheltieren haengt, Leuchtsterne am Fussende des Bettes...
Ich habe kaum angefangen auszupacken, da fahren wir schon wieder los.
Meine Gastmutter hatte gestern Geburtstag und da sie fiestas liebt, gibt es heute wieder eine, nachdem gestern schon in Quito gefeiert wurde (Verwandte haben sie ueberall. Quito, Guayaquil, Estados Unidos... ein Cousin hier, ein Cousin da...). Die Einfahrt ist so eng, dass das Auto kaum durchpasst, im Haus (in dessen Garten ein Pool sin agua (= ohne Wasser) steht und Micky-Maeuse in die Buesche geschnitten sind) will jeder begruesst werden - und damit meine ich tatsaechlich jeden! - und zwar mit Beso (Kuesschen auf bzw neben die Backe) und "Hola, como está?" (= Hallo, wie geht's?).
Als wir uns durch Stockwerke und Leute durchgearbeitet haben ("Das ist der Nachteil, wenn man spaeter kommt", meint Daniela dazu, "dann ist man derjenige, der ueberall rumgehen muss.") - Begruessungen sind zeitaufwendig in Ecuador - bekommen wir jeder einen Teller voll Essen in die Hand gedrueckt (Salat, Fleisch, gekochte Banane, milchig-weisses fingernagelgrosses rundes Gemuese...) und wir koennen und etwas abseits setzen. Daniela erzaehlt von Cousins und fiestas und von Reisen - ich werde Guayaquil sehen, denn dort ist der Vater stationiert (er ist beim Militaer, bei der Luftwaffe, wie ich spaeter erfahre); in Quito gilt es Verwandte zu besuchen; Fahrradtour nach Bańos...
Nach dem Essen probiere ich "Colada Morada", ein weinrotes, dickfluessiges Getraenk aus allen denkbaren Fruechten, Zimt und reichlich Obststuecken - daran koennte ich mich gewoehnen...
Wir gehen draussen die Strasse entlang und Daniela erzaehlt weiter von fiestas (alles auf Englisch...). Jeden Freitag fahren alle mit dem Auto (auch ohne Fuehrerschein, wie Daniela - die Polizisten sind ja bestechlich und sagen meist ohnehin nichts) die Strassen hoch und runter, "that's cool!"
...da die Mutter fiestas so liebt, sei sie nicht streng, weder mit Weggehen, noch mit Alkohol.
Als Santi nicht mehr laufen will, begeben wir uns wieder ins Haus - es wird eine Rede gehalten, erst von irgendeinem Mann, dann von Jaime (der wohl auch mich erwaehnt... ich verstehe etwas von "mi nueva hija" (= meine neue Tochter)), dann von Sandra (meiner Gastmutter)...
Daniela zeigt mir im Garten eine Blume, deren Samenkapseln man durch zudruecken "explodieren" lassen kann, sodass die Kapsel sich zu einem an einen Sessel erinnernden gebilde zusammenrollt und die Samen herausspringen.
Spaeter, aus dem Auto raus, sehen wir den Tungurahua mit einer dicken, weissen Rauchfahne. "Er raucht", scherzt der Vater. Deshalb nenne man ihn auch "Vulcano Marihuano".
Wir besuchen die Grosseltern und sehen uns die Amateurvideos vom Galapagosurlaub an... die zur Schau gestellte glueckliche Familie macht mich traurig... ich fuehle mich abseits und fremd, fuehle mich mal wieder allzu fern vom Spanisch und sehne mich nach Hause. Spaeter sitzen wir drei Maedels frierend auf Danis Bett und gucken die Wahl zur Miss Continenta Americano (eine Misswahl aller amerikanischer Staaten - mit Ausnahme der USA)... ich fuehle mich fehl am Platz... wir stapfen im Mondlicht zum Haus der Grosseltern, muemmeln und - muede und immer noch frierend - auf den Stuehlen am Kuechentisch, wir trinken warme Milch mit Kaffeepulver und essen ueberbackene Kaesebrote, gucken alle zusammen weiter Miss-Wahl - und ploetzlich ist es gemuetlich... ich schlinge den Arm um meine Beine, lausche den fremden Worten, aus denen ich ab und zu etwas Bekanntes heraushoere, tausche ein Laecheln mit Daniela und setze zur Freude der Anderen auf Miss Ecuador als Gewinnerin (es wird dann schliesslich Miss Dom-Rep, aber das ist mir eigentlich mehr als egal...)
13.9.06 01:08
 


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