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Mittwoch, der 16.09. bis Sonntag, 20.09.09 - Pyramiden, Pulque und Pogo

16.09.09

Wir werden vom Lärm vorbei fliegender Flugzeuge und dem Tröten der Plastiktrompeten geweckt. Als wir neugierig von unserem Balkon spähen, sehen wir zwei Reihen jubelndes Publikum, sowie marschierende Soldaten in deren Mitte.
Soldaten jeder Waffengattung ziehen vorbei, von altertümlicher Paradeuniform über Schneetarnanzüge bis Fallschirmjägerausstattung und Scharfschützen, die Yeti-ähnlich als Büsche verkleidet sind, ist alles vorhanden.
Ein Trupp, der Marschmusik spielt, zieht vorneweg, anschließend folgen reihenweise Soldaten der jeweiligen Kompanie. Eine alte Frau steht in den Zuschauerreihen und blickt verzückt den schwer bewaffneten Uniformierten entgegen. Den Frauen der Armee wird regelmäßig hinterher gepfiffen.
Kampfflugzeuge und –hubschrauber fliegen formiert über die Parade hinweg.
Lastwagen, beladen mit Militärs fahren vorbei, mit Kanonen bestückt. Gepanzerte Fahrzeuge mit aufmontierten Maschinengewehren. Kleine Golfwagen der Marine. Panzer. Lastwagen mit Schlauchbooten im Schlepptau, auf denen Soldaten in Tauchanzügen sitzen. Kavallerie auf bockigen Pferden.
Und schließlich die Wägen mit integrierter Küche samt Militärköchen – hier wird der Beifall besonders groß.
Den Abschluss des ewigen Zuges machen Reiter und Reiterinnen in Campesino – Outfit á la Emiliano Zapata beziehungsweise wallenden Kleidern, die wohl den Revolutionär_Innen gewidmet sein sollten.
Nicht nur dem Nationalismus, auch dem Militarismus wird hier also in besonderem Maße gefrönt.
Nach dieser erschreckenden Zurschaustellung Mexikos Unterdrückungsapparats, machen wir uns auf den Weg zum Museum der Stadt Mexiko. Auf den Straßen wechseln sich immer noch Gruppen von Polizisten mit Gruppen feiernder Menschen ab, ab und zu fährt ein Militärtransporter vorbei.
Das Museum ist in einem alten herrschaftlichen Gebäude untergebracht und beherbergt ein Sammelsurium an Ausstellungsgegenständen: alte Möbelstücke, Statuen, Landschaftsgemälde, einen alten Ford und eine königliche Kutsche, ein Bild des alten Mexiko D.F., als es sich noch auf das historische Zentrum beschränke bis hin zu einer Ausstellung moderner Architektur.
Highlight ist ein Zimmer, dessen Wände von einem mexikanischen Impressionisten mit verschieden großen Bildern geschmückt wurden, die sich teils gegenseitig überlagern oder ineinander übergehen. Das ergibt ein gigantisches Gemälde aus ineinander fließenden bunten Szenen – ein Mann mit schwarz-roter Flagge, Frauenkörper, Landschaftseindrücke, Tiere, Wälder…
Der zweite Höhepunkt des Museums ist eine temporäre Ausstellung über die kommunistisch geprägte Elektrogewerkschaft Mexikos. Sie zeigt Bilder aus dem spanischen Bürgerkrieg, an dem einige der Gewerkschafter beteiligt waren und in Mexiko Exil gesucht hatten, Zeichnungen einiger Mitglieder und erzählt die Geschichte des Wandbildes „Bourgeoisie“, Gemeinschaftswerk einiger Gewerkschafter, die, von Stalin beeinflusst, ein Attentat auf Trotzki verübten. Das Bild wurde später auf Forderung der nach rechts gewanderten Gewerkschaftsfunktionäre zensiert, da die Darstellung der Bourgeoisie angeblich Gewalt verherrlichend sei.
Nach dem Besuch des Museums suchen wir einen Markt auf, der in einer sehr heruntergekommenen Gegend liegt. Riesige Müllberge türmen sich am Straßenrand, Verkäufer preisen Tacos mit Gedärmen an, die Gerüche vermischen sich zu süßlichem Gestank. Straßenhunde wühlen im Müll, auf dem Rückweg fallen uns die Prostituierten auf, die alle paar Meter an der Wand lehnen.
Auf dem Rückweg zu unserem Hotel teilen wir uns einen knusprigen Teigfladen aus blauem Mais, mit Frijoles, einer scharfe roten Soße bestrichen und mit einer Zwiebel-Kaktusstückchen-Mischung bestreut.
Gegen Abend spazieren wir zum nahen Park, essen scharf gewürzte Maiskörner und mit Bohnenmuß gefüllte Maisfladen. Vor dem Amt für ausländische Angelegenheiten ist eine Freiluftausstellung von Luftaufnahmen Mexiko Stadts, die digital verändert wurden, die Kontraste gestärkt, bei Nachtbildern die hellen Lichtflecken hervorgehoben… die Fotos wirken futuristisch, orangefarbenes Licht sticht grell hervor.
Wir grübeln über eine Abendbeschäftigung, aufgrund der geringen finanziellen Mittel entscheiden wir uns schließlich für ein geteiltes Bier auf unserem Zimmer.


17.09.09

Rufe schallen von draußen herein. Menschen mit Fahnen und Sprechchören laufen die Straße vor unserem Hotel entlang und demonstrieren.
Wir bleiben allerdings noch eine ganze Weile liegen und frühstücken gemütlich Brot mit allerlei Gemüse (Avocado, Frühlingszwiebel, Chili, Champignons und Tomate), das wir gestern auf dem Markt erstanden haben.
Den Nachmittag verbringen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt, vorbei an Tacoständen, Straßenmusiker_Innen, Schuhputzern, ärmlichen Häusern und Prunkbauten mit Glasfassaden. In einem kleinen, zur Straße offenen Lokal, trinken wir einen frischen Orangensaft.
Schließlich gehen wir ins Kino, in einen Horrorfilm namens „Portadores“, in dem es um ein tödliches Virus geht, das sich auf der Erde ausgebreitet hat und um vier Jugendliche, die versuchen, davor zu fliehen und sich an einen Strand zu retten, an dem sie die Sommer ihrer Kindheit verbrachten.
Anschließend suchen wir uns ein kleines Restaurant, um zu Abend zu essen. Wir setzen uns an einen der wenigen Tische. Das Lokal rühmt sich damit, dass hier 1892 die „Tortas“ erfunden wurden (eine Art Sandwich mit dicken gerösteten Brötchen, Frijoles,…) und ist mit allerlei Zeitungsausschnitten dekoriert. Auf dem Tisch stehen eine scharfe grüne Soße und eine Schale mit scharf eingelegten Karotten-, Chilischeiben und Zwiebeln.
Ich mache dem Kellner deutlich, dass wir weder Fleisch, noch Käse essen und schlage eine Zusammenstellung veganer Zutaten vor.
Diese wird vom Koch, der hinter einer offen einsichtigen Theke steht, zwar von Kopfschütteln quittiert, trotzdem haben wir kurz darauf einen Teller mit Reis, frittierten Bananenscheiben und Salat mit Tomate und Avocado vor uns stehen, der uns sehr mundet. Janosch bestellt sich noch einen Nachschlag an Maistortillas mit Avocado, dann ist auch er zufrieden und gesättigt.
Später am Abend würden wir gerne ein Bier in der „Opera Bar“ genießen, die mit feierlichem Ambiente glänzt, dunkle Holzseparees besitzt und in der Pancho Villa angeblich einmal aus Langeweile in die Decke geschossen hat – allerdings glänzt sie auch mit unverschämt hohen Preisen, somit verschlägt es uns stattdessen in ein kleines italienisches Lokal, in dem es nach Bruschetta duftet und das Bier aus dem Fass ausschenkt. Wir sitzen im Hinterzimmer, an dessen Wand ein großes Mona Lisa – Bild hängt. Ein Schälchen mit einer Art Chips wird uns auf den zermürbten Holztisch gestellt.
Nachdem wir das Bier in dieser heimeligen kleinen Kneipe getrunken haben, schlendern wir nach Hause.


18.09.09

Morgens erklärt Janosch mir, dass er „nicht so der Ruinen-Mensch ist“, somit entscheide ich kurzerhand, alleine nach Teotihuacán, einer präaztekischen Stadt, zu fahren. Am Platz Bellas Artes steige ich in einen Bus zum Nördlichen Terminal. Nach einigem Suchen finde ich dort den Schalter einer Buslinie, der Tickets nach „Las Piramides“ verkauft. Kurz darauf sitze ich an einem Fensterplatz in einem klapprigen blauen Bus mit muffigen Vorhängen. Etwa eine Stunde lang holpern wir über die Fahrbahn, an Mauern vorbei, die mit Wahlwerbung bemalt sind. Ein Mann mit Gitarre steigt ein und singt Liebeslieder, die teils mehr an Katzenjammer erinnern.
Ich schaue durch das trübe zerkratzte Busfenster und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen, bis ich an den Pyramiden aussteige.
Am Busterminal sagte jemand, es würde wohl gleich anfangen zu regnen, aber auf der Fahrt ist die graue Wolkendecke aufgerissen und inzwischen breitet sich blauer Himmel über mir aus.
Ich bezahle die 50 Pesos Eintritt und spaziere den Weg entlang, der gesäumt ist von ausladenden Kakteen. Ich laufe geradewegs auf den ersten Pyramidenkomplex zu, der die „Zitadelle“ genannt wird. Es handelt sich um einen weitläufigen Platz, der von kleinen stufigen Pyramiden gesäumt wird. Hauptmerkmal ist der Tempel des Quetzalcóatl, ein ebenfalls pyramidenförmiger Bau. Im Rahmen von Ausgrabungen wurde eine alte Fassade entdeckt, die einem noch älteren Bau angehört. Die übrig gebliebenen vier Stufen weisen aufwendige Skulpturen auf, die aus dem Stein ragen: Gezähnte Schlangenköpfe und quadratische, großäugige Kreaturen im Wechsel.
Ich besteige eine der Pyramiden und lasse die Sicht auf mich wirken. Der Rasen zwischen den Ruinen ist von sattem Grün geprägt. Schmetterlinge flattern darüber. Die beiden größten Pyramiden des Geländes ragen in den tiefblauen Himmel.
Nur die immerwährenden Verkäufer_Innen, die einem Steinfiguren, Tücher und Holztiere entgegenstrecken, sowie der Lärm von Rasenmähern, der immer wieder aufflammt, trüben die Atmosphäre ein wenig.
Ich folge der „Calzada de los muertos“, der Straße der Toten, durch die Hauptstadt Mexikos wahrscheinlich größtem prähispanischem Imperium. Sie ist immerfort von kleinen Pyramiden gesäumt. Auf einem kleinen Seitenweg, unter einem blühenden Kaktus, nehme ich mein mitgebrachtes Frühstück zu mir. Dann mache ich einen kleinen Abstecher in ein Museum, das ein Modell der Stadt beinhaltet, über das man sich auf Plexiglas bewegen kann, sowie eine Vielzahl an Figuren, Gefäßen, Speerspitzen und selbst Gebeinen, die bei Ausgrabungen gefunden wurden. Die Leichen waren auf eine bestimmte Art und Weise in Stoff gepackt, da wohl vermutet wurde, dass sie so am besten wiedergeboren werden können.
Anschließend mache ich mich daran, die Sonnenpyramide zu erklimmen – die größte Pyramide Teotihuacáns und nach der Cheopspyramide und einer anderen in Mexiko die drittgrößte Pyramide der Welt (!). Sie wurde um 100 n. Chr. Aus 3 Millionen Tonnen Steinen fertig gestellt (ohne Metallwerkzeug, Lasttiere oder dem Rad) und ist jetzt etwa 70 Meter hoch.
Ich erklettere die 248 hohen Stufen (laut meinem Reiseführer, ich selbst habe nicht mitgezählt) bis zur Spitze der Pyramide, auf der sich ein paar Tourist_Innen tummeln und genieße die Sicht über die Pyramidenlandschaft und die Kakteen, die sich an deren Rand ranken.
Die nächste Etappe umfasst eine kleine Palastanlage, die mit Wandbildern von Jaguaren und Vögeln verziert ist, sowie mit vierblättrigen Blumen, die die Welt mit den vier Himmelsrichtungen symbolisiert.
Nachdem ich durch die Gänge und Säulenhallen spaziert bin, begebe ich mich noch auf die letzte Pyramide, die am nördlichen Ende der Calzada de los muertos liegt. Sie ist etwas kleiner als die Pirámide del sol und wurde erst um 300 n. Chr. Gebaut. Die Treppen sind nur zu etwa einem Drittel freigegeben, bis zu einem größeren Absatz. Noch einmal blicke ich über die Pyramiden, die sich wie Perlen aneinanderreihen, bevor ich schließlich ein letztes Mal über die Bauten klettere, Treppenstufen hinauf und hinab steige und schließlich die beeindruckende Stadt hinter mir lasse.
Zurück in Mexiko Stadt hole ich Janosch ab und wir eilen durch den eingesetzten Regen bis wir ein Lokal finden, in dem wir zu Abend essen.
Ich bin müde und merke schon einen einsetzenden Muskelkater von meinem treppenlastigen, aber wunderschönen Ausflug und falle müde ins Bett.


19.09.09

Nach dem Frühstück spazieren wir zum „Centro del imagen“, einem fotografischen Museum. Es sind die Werke verschiedener Künstler ausgestellt. So werden Fotos gezeigt, die sich aus einem anderen Blickwinkel der Geschichte widmen, beispielsweise sind Ruinen in Freizeitparks und eine Sphinx im Legoland abgelichtet.
Auch hängen eine Reihe von Fotomontagen – eine Metzgerin, die sich ein großes Fleischermesser durch die Hand gerammt hat, ein erstochener Priester mit dem Titel „Märtyrer“,…
Im Museumsshop sehen wir uns Bildbände über den Lucha Libre an, in denen die Wrestlingkämpfer in Familiensituationen zu finden sind.
In einem angrenzenden Park läuft laut Musik, unzählige Paare tanzen dazu. Wir setzen uns in den Schatten auf eine Bank und beobachten das Treiben.
Etwas abseits weist eine alte Frau mit langen schlohweißen Haaren immer wieder ihren Mann in den Schrittfolgen zurecht. Vier alte Männer sitzen am Rand, trinken, essen und begutachten kritisch die Tanzenden.
Der ganze Park scheint im Tanzfieber. Außerhalb des Dunstkreises der Musik, gibt ein Mann einer kleinen Gruppe einen Tanzkurs. Gemeinsam wiederholen sie die Schritte.
Noch ein Stück weiter läuft erneut Musik, zu der sich Paare auf der Tanzfläche drehen. Zwischendrin ein Zelt, in dem ein Schachturnier abgehalten wird. Männer mit Eiswägen. Kleine Stände, die Obststücke (auch die werden frisch mit Limette und Chili gewürzt), Chips oder Tacos verkaufen.
Schließlich schlendern wir weiter. In einem übersichtlichen Lokal teilen wir uns einen Orangensaft. Das Haus gehörte einem Wrestling – Kämpfer, das Restaurant ist zu einem kleinen Museum umfunktioniert. Eine Wand ist gepflastert mit bunten Masken von befreundeten und befeindeten Kämpfern, eine andere mit Fotos und Zeitungsausschnitten des Luchadors (Wrestlers). Ein handgeschriebener Zettel weist darauf hin, dass es nur gestattet ist, Fotos zu machen, wenn man etwas isst (sonst für 10 Pesos). Hier werden 30 cm lange und 1,3 kg schwere Sandwiches verkauft (mit Käse, Ei und ca, 10 verschiedenen Fleischarten belegt), die man nicht bezahlen muss, sofern man es schafft, sie innerhalb von 15 Minuten aufzuessen.
Auf dem Heimweg stoßen wir auf eine Pulquería, eine Kneipe mit zwei Schwingtüren, die einem Saloon würdig wären. Kurz entschlossen treten wir ein und werden an einen Tisch gewiesen, an dem schon zwei Jungs mit einer Plastikkaraffe vor sich sitzen. Der ganze Raum ist bemalt, mit aztekischen Mustern, Totenköpfen, Kakteen und bunten Figuren. Über dem Tresen hängt ein beleuchtetes Bild der Jungfrau Maria.
Der Kellner fragt uns, was wir bestellen möchten und zählt uns die heutigen Geschmacksrichtungen auf, in denen Pulque geordert werden kann. Pulque ist ein traditionelles mexikanisches Getränk, das aus der Mugueypflanze gewonnen wird, einen geringen Alkoholgehalt hat und von den Azteken bei Ritualen und von der Elite getrunken wurde. Später gelangte es zu großer Beliebtheit und wurde im 17. Jahrhundert in rauen Mengen genossen (700 Liter im Jahr Pro-Kopfverbrauch!). Später wurde es aber von Bier und Tequila verdrängt und beinahe aus dem Stadtbild gestrichen, sodass es jetzt nur noch einige wenige Pulquerías gibt.
Neben der puren Variante „blanco“, gibt es zahlreiche Varianten, bei denen dem Getränk ein Geschmack zugesetzt wird.
Hier zählt der Kellner Sellerie und Hafer auf, aber auch Melone und Erdnuss, für die wir uns entscheiden. Die Erdnuss – Variante wird mit Zimt serviert und gewinnt deutlich. Das Getränk ist milchig und dickflüssig, hat einen etwas vergoren-süßlichen Geschmack und wird an den Nebentischen aus Plastikeimern getrunken.
In einer Ecke steht eine Leiter und ein junger Mann verfeinert gemächlich das Deckengemälde. Nach beinahe jedem Pinselstrich klettert er langsam wieder herunter, um sich erneut Farbe zu holen.
An einer Wand steht eine Musicbox, vor der sich immer wieder Gäste drängen, um ihre Musikwünsche einzugeben und aus der lauter Rock tönt (u.a. Rammstein…).
Nachdem wir unseren Pulque geleert haben, treffen wir in einer Nebenstraße auf einen Demonstrationszug, dem wir zum Zócalo folgen. Vor dem Präsidentenpalast sammeln sich die mehreren Tausend Menschen, schwenken ihre Fahnen und breiten ihre Transparente aus. Verschiedene Organisationen beteiligen sich an dem Protest – die PRD (Partei der Demokratischen Revolution), indigene und kommunistische Gruppierungen.
Auf dem Zócalo halten sie eine Kundgebung ab und prangern Repression, Militarisierung und die Kriminalisierung sozialer Kämpfe an. Auch protestieren sie gegen neoliberale Prozesse wie die Privatisierung unter anderem der Bildung und des Wassers und es wird der Opfer des Massakers am 2. Oktober 1968 gedacht.
Am Rande des Zócalo formieren sich mehrere Militärlastwagen und auch auf dem Dach des Präsidentenpalastes bewegen sich einige Personen.
Wir lauschen eine Weile den Redner_Innen, anschließend essen wir etwas an den unzähligen Ständen, die sich im Park aneinanderreihen.

20.09.09

Mal wieder weckt uns der Lärm von der Straße. Als wir aus dem Fenster sehen, staunen wir erstmal – Polizisten tragen Transparente. Nach einigem Beobachten verstehen wir aber letztlich, dass es sich um eine Demonstration der Stadt handelt, in der die Regierung all ihre Pracht und Erfolge anpreist…
Gegen Eins brechen wir auf und fahren mit der Metro bis zur Station „Rio de los remedios“, die direkt auf der Grenze Mexiko D.F.s liegt. Wir laufen ein Stück die mehrspurige Straße entlang bis wir eine kleine Menschenansammlung entdecken und feststellen, dass wir an unserem Ziel sind: „El Clandestino“, ein kleiner Punkrockschuppen, der heute ein Festival ausrichtet zu Gunsten des Wiederaufbaus der sozialen Bibliothek – deshalb gehört auch ein Buch mit zum Eintrittspreis. Meine Erklärung, dass es uns unnütz erschien, deutsche Bücher mitzubringen, scheint dem Mann am Eingang allerdings einzuleuchten und er lässt uns herein, ohne dass wir mehr bezahlen müssen.
Der Club besteht aus einem einzigen Raum mit einer kleinen Theke, an der die schon bekannten 1,2 Liter Flaschen Bier verkauft werden und der Bühne, deren eine Hälfte ca. einen Meter höher liegt, weil sich darunter die abgesifften Toiletten befinden. An den Wänden sind großflächige Bilder von Punks gemalt, auf dem Boden sitzt eine bunte Mischung Mexicos Skin- und Punkszene. In einer Ecke liegen gebrannte CDs und Kopien politischer Texte (u.a. von Magón) und werden zum Verkauf angeboten.
Bald darauf betritt die erste von einer ganzen Reihe lebendiger Ska – Bands die Bühne und es dauert nicht lange bis das komplette Publikum uns liebt, uns jeden Moment eine der großen Bierflaschen entgegen streckt, uns auf Fotos zerrt, uns zum Tanzen animiert und auf die Schulter klopft – und uns erklärt, dass wir jeder Zeit bei ihnen übernachten können, sie uns innerhalb einer Woche problemlos ein Handy organisieren können, damit wir sie anrufen können und uns versichern, dass die „banda“ (Gang, Clique, whatever) hier alles ist!!
Zwischendurch springen sie durch die Gegend und singen lauthals „Punks and Skins, lalala“.
So lassen wir uns zulallen, tanzen und pogen – allein und im Kreis mit unseren neuen Freunden, die uns regelmäßig überzeugen wollen, doch hier wohnen zu bleiben – und trinken, bis wir um kurz nach acht hungrig ins Zentrum zurückfahren, wo wir angestrengt ein Restaurant suchen, in dem man mit Kreditkarte zahlen kann, da wir unser letztes Bargeld in die Bierkollekte geschmissen haben.
Endlich werden wir fündig und genießen das teuerste Essen, das wir bisher in Mexiko zu uns genommen haben, mit Reis, frittierten Bananen, Guacamole, Tortillas, Salat, frischem O-Saft… für 200 Pesos, also ca. 13 Euro für alles zusammen. Ja, das kommt uns schon teuer vor…
22.9.09 07:34
 


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