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18.11.09 - 21.12.09 Mein Geburtstag, Frauentag und unsere Oaxaca-Strand-Tour

18.11.-25.11.09 San Cristóbal

20.11.09

Am Abend begeben wir uns zuerst ins "12 Pesos", eine Bar, die sich hauptsaechlich dadurch auszeichnet, meistens sehr voll zu sein, laute, immer gleiche Musik laufen zu lassen und billiges Bier zu verkaufen (dessen Preis ihr auch ihren Namen verlieh).
Anschliessend ziehen wir in eine andere Bar weiter, wo eine Liveband spielt hat und Lieder von "Red Hot Chili Peppers" etc covert. Allerdings stossen wir nur um Mitternacht auf meinen Geburtstag an und schlendern dann so gegen 1 schon wieder nach Hause, ich tanze singend durch die leeren, grauen Strassen.


21.11.09

Feliz cumpleanos a mi…
So, jetzt bin ich dann wohl 20… qué raro… ich sitze hier auf der Dachterasse des Junax, wir haben ausnehmend lecker gegessen - Reis mit Austernpilz - Zucchini - Paprika - Frühlingszwiebel - Tomatensoße, viel frischer superreifer Avocado und Maistortillas vom Markt…
Momentan ist hier ein encuentro de las mujeres contra la violencia (Treffen der Frauen gegen die Gewalt). Heute Morgen waren wir dann auch in einem Kulturzentrum, eine Frau hat mit kraftvoller, durchdringender Stimme Befreiungslieder aus Nicaragua, El Salvador und Oaxaca gesungen, dazu Gitarre gespielt.
Anschließend wurde eine Erzählung einer Frau aus Rhuanda vorgelesen, die als Gespräch mit ihrem verstorbenen (ermordeten) Vater formuliert war und die Massaker an den Tutsi zum Thema hatte, die sie mit- und überlebte. Erst wurden „nur“ Männer und Jungen umgebracht, dann - alle.
Auch die Kühe der Tutsi wurden abgeschlachtet - und die Milch der Euter mischte sich mit dem Blut.
Sie erinnert sich auch, wie ihre Mutter einmal sagte, zum rot gefärbten Himmel zeigend, „Schau, wie der Himmel gefärbt ist vom Blut der Tutsi.“
Der Text endete mit einer Anklage an die europäischen Länder, die alle die Deklaration der Menschenrechte unterzeichnet hätten. Die Tutsi scheinen somit nicht unter ihre Definition von Menschen zu fallen, urteilt die Autorin, aber - vielleicht - deren Mörder?!
Danach soll ein Film gezeigt werden über häusliche Gewalt ( 64 % der Hausfrauen werden von ihren Männern geschlagen), aber wir sind in Mexiko, nichts funktioniert und alles zieht sich lang, lang hin… letztendlich brechen wir auf, streunen über den Markt und schlagen eifrig zu beim frischen Gemüse und Obst fürs Mittagessen.
Auf dem Rückweg entdecken wir eine kleine Demonstration. Ein Transparent wird von Marx, Engels, Lenin und Zapata geziert. „Avanzar, avanzar con la lucha popular“ und „el pueblo unido jamas sera vencido“ wird skandiert.
Anlass ist die Forderung nach Befreiung der politischen Gefangenen der OCEZ, welche auch schon seit Wochen ein Protestcamp beim Zócalo aufrechterhalten; außerdem der Tag der Frau am 25.11.

Abends besuchen wir das Konzert der Frau, die schon morgens auf der Veranstaltung gesungen hat. Sie tritt in einer Bar auf, begleitet von einer Frau am Keyboard. Ich lehne mich an den Tuerrahmen zum Nebenraum, nippe an meinem Bier und lausche der energetischen Stimme der Frau und den poetischen Worten der Lieder, die von Freiheitskaempfen handeln und von Liebe ("Besame mucho")...
Als der letzte Applaus verklingt, suchen wir eine Club auf, in dem ein DJ Reggae, Dub und BalkanBeats auflegt. Waehrend Janosch irgendwann in einer Ecke einnickt, tanze und tanze und tanze ich, bis wir uns schliesslich um 4 Uhr morgens auf den Heimweg begeben.


23.11.09

Nach dem Fruehstueck sitze ich im Wohnzimmer und lese in meinem neu zum Geburtstag erstandenen Buch "Mujeres de Maiz" (Frauen des Mais), das die Situation der Frauen in Chiapas, sowie den Einfluss der EZLN beschreibt. Unter anderem wird der uebliche Tagesablauf der Frauen in indigenen Gemeinden beschrieben, so stehen sie oft schon um 3 oder 4 Uhr morgens auf, um Mais zu mahlen, Teig zu formen und die Tortillas zu machen, damit die fertig sind, wenn der Mann aufsteht. Dann begleiten die Frauen oft ihre Maenner aufs Feld, wobei die Maenner reiten, die Frauen mit dem Kind auf dem Ruecken hinterher laeuft. Nach der Feldarbeit wartet dann wieder die Kueche, die Kinder und die Wasche...
Auch beschreibt es den traditionellen Umgang mit Vergewaltigungen in den Gemeinden - die vergewaltigte Frau und der Vergewaltiger heiraten einfach, somit sei das Problem geloest.
Passend zu diesem Thema, begeben wir uns etwas spaeter zu einer Debatte im Rahmen des Frauentags.
Einige Beitraege der teilnehmenden Frauen will ich hier wiedergeben:

- "In Guatemala sieht man die Ungleichheit mehr in der Stadt, in allen sozialen Schichten. Wird ein Maedchen geboren wird es als Strafe von Gott fuer die Familie angesehen. In den Gemeinden gibt es ein grosses Fest, wenn ein Junge geboren wird. Bei einem Maedchen heisst es: "Das wird eine Schlampe!""
- "Die Unterdrueckung der Frau ist angelernt. Sie basiert in der Ungleichheit zwischen Mann und Frau in der ganzen Gesellschaft und ist in allen Laendern praesent, da ueberall Patriarchat herrscht. Auch zeigt sie sich in vielen Formen, beispielsweise bedeutet auch das Unter-Strafe-Stellen der Abtreibung Gewalt gegen Frauen."
- "Ein anderes Beispiel sind die oeffentlichen Paraden (der Schulen). Den Frauen wird die Teilnahme auferlegt, sie muessen in kurzen Roecken marschieren, werden dabei beobachtet - auch das ist Gewalt gegen Frauen. Es wird so getan, als sei Gewalt gegen Frauen etwas natuerliches. Der Koerper der Frau wird vorgezeigt und sie wird als Sexualobjekt missbraucht. Auch heisst es, wenn bei der Erziehung etwas falsch laeuft, es sei die Schuld der Mutter. Wenn es ein "guter Mann" geworden ist, dann Dank des Vaters."
- "Meine Tochter hat das Leben gelassen durch die Haende ihres Partners. Sie war sich der Situation der Frauen bewusst, hat rebelliert. Er dachte, er koenne ueber ihr Leben entscheiden.
Die Gewalt funktioniert als Kette. Der Ehemann uebt Gewalt gegen seine Frau aus, die Mutter gegen die Kinder,...
Die Gewalt zeigt sich in vielen Formen: Psychologische Gewalt, physische Gewalt, oekonomische Gewalr... in jedem Haushalt wird Gewalt erlebt.
Seit wir geboren sind, denken wir Frauen, dass wir nichts wert sind, dass wir keine Entscheidungen treffen koennen, dass wir dafuer leben, den Maennern zu dienen.
Es ist wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen fuer die Situation der Frau."
- "Mir ist erst vor kurzem aufgegangen, dass diese Situation nicht Natur gegeben ist. Wir haben das Recht zu kaempfen. Ich habe einen Sohn und eine Tochter und behandele sie gleich. Stueck fuer Stueck werden wir uns und die Situation veraendern."

Die Uni, in dessen hellem Hof die Debatte ausgetragen wird, ist geschmueckt mit grossflaechigen bunten Wandbildern. Bilder von Karl Marx mit dem Zitat "Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Klassenkaempfen", von Emiliano Zapata, von Che Guevara und Lenin. Es haengen Transparente von den oberen Klassenraeumen, die die sofortige Erfuellung der studentischen Forderungen einklagen. Geballte Faeuste zieren die Waende, Anarcho-A's, Verweise auf die Zapatistas und die "Otra Campaña". Eines der Zimmer traegt den Namen "Che Guevara" und am Eingang listet eine riesige schwarze Tafel, die Namen derer auf, die im Kampf fuer die Freiheit gestorben sind (u.a. Emiliano Zapata und Flores Magón), derer, die "verschwanden" und derer, die fuer ihre politische Einstellung im Knast sitzen.

Nach der Veranstaltung holen wir uns eine der legendaeren Falafeln und setzen uns auf die sonnigen Treppenstufen vor der Kathedrale.
Schon seit einiger Zeit (ca. 3 - 4 Wochen) befindet sich hier auf dem zentralen Platz San Cristóbals, sowie vor dem örtlichen Büro der UNO, ein Protestcamp von Mitgliedern der Organisation OCEZ (Organisación Campesina Emiliano Zapata). Mit Plastikplanen sind improvisierte Zelte gefertigt, abends wird ein Feuer entfacht, um Wärme zu spenden. Drumherum stehen Stellwände mit Informationen, sowie große Transparente, die Emiliano Zapata zeigen, „Libertad a Chema“ oder „Fuera a los militares“ fordern.
Es geht darum, dass das Militär drei ihrer Führungspersönlichkeiten festgenommen hat, außerdem sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Nun wollen sie so lange in San Cristóbal verweilen, bis die Gefangenen wieder freigelassen werden.
Viele Menschen zeigen ihre Solidarität, indem sie Feuerholz, Kohle oder Essen spenden - so auch wir.
Heute Nachmittag gehe ich auf einen zu, einen jungen Mann mit zerfurchtem Gesicht und beigem Cowboy-Hut, frage, wie es läuft.
„Pues, aqui estamos…“
Ich frage, wie lange sie noch dort ausharren wollen.
„Bis unsere Forderungen erfüllt werden.“
Ich habe davon gehört, dass es ein Angebot gegeben haben soll, zwei der drei Gefangenen freizulassen.
„Ja“, das sei richtig, bestätigt er mir, aber darauf würden sie nicht eingehen.
„Ihr bleibt, bis sie alle drei freilassen?“
Er nickt.
„Und die Leute hier in San Cristóbal? Bringen die euch weiterhin Essen?“
„Ja, manche schon. Es gibt schon einige, die uns was bringen.“
„Und, braucht ihr noch was?“
Er nickt wieder.
„Essen?“
„Ja.“

Etwas später bringen wir ihnen Reis vorbei, Salz und Kaffee, wir ducken uns durch die Absperrung hinweg und stapeln es auf einen Tisch, den sie unter einer der Plastikplanen aufgebaut haben. Eine Frau schneidet gerade Berge an Tomaten und Zwiebeln.
„Gracias“, „muchas gracias“, schallt es von allen Seiten.
„De nada. Que tengan exito…“ (Kein Problem. Viel Erfolg!)
Und erneut - “gracias”.

Am nächsten Morgen erfahre ich, dass die Regierung tatsächlich auf die Forderungen eingegangen ist und die Gefangenen freigelassen wurden, alle drei.

-- * --

"La utopia está en el horizonte.
Camino dos pasos, ella se aleja dos pasos.
Y el horizonte se corre diez pasos más allá.
Entonces para qué sirve la utopia?
Para eso, sirve para caminar.”

(Eduardo Galeano)

"Die Utopie ist am Horizont.
Wenn ich zwei Schritte gehe, entfernt sie sich zwei Schritte.
Und der Horizont rennt zehn Schritte weiter.
Also was nutzt die Utopie?
Sie nutzt dafuer, um zu gehen."


24.11.09 Comitán

Gemeinsam mit ein paar Freundinn_en, steigen wir in ein Colectivo nach Comitán, an dessen Zócalo uns zahlreiche Schilder mit der Aufschrift „Tu eres Comitán“ auf den Grasflächen begrüßen, im Schatten von recht unästhetisch wirkenden, rechteckig gestutzten Bäumen. Ein „Tourismus - Polizist“ - wenn Mexico eines hat, dann ist es ein Polizeityp für jede denkbare und undenkbare Angelegenheit - spricht uns an und reicht uns Flyer für geführte Touren zu nahe gelegenen Sehenswürdigkeiten und Wasserfällen.

Wir besuchen ein Museum über den Arzt Belisario Dominguez (1863 - 1913), der in Paris studiert hatte und anschließend eine hochmoderne Praxis in Comitán eröffnete, in denen Arme und Bedürftige kostenlos behandelt wurden und deren Überreste in besagtem Museum zu sehen sind. Dominguez kann getrost als Nationalheld bezeichnet werden, war zwischenzeitlich Bürgermeister von Comitán und legte damals den Grundstein dafür, dass die Stadt angeblich immer noch die saubersten Straßen und die beste Gesundheitsversorgung ganz Mexikos besitzt.
1912 wurde der Arzt in Mexikos Senat gewählt, und prangerte die Tatsache an, dass der General Huerta den Präsidenten Francisco Madero abgesetzt, hingerichtet und dessen Platz eingenommen hatte. Dominguez verbreitete Schriften, in denen er Huerta bloßstellte und verurteilte, woraufhin der Arzt verhaftet und ermordet wurde.

Anschließend streifen wir noch durch das archäologische Museum der Stadt, in dem kitschige „Schöne - Welt“ - Gemälde ausgestellt werden, die Szenen der prähispanischen Zeit darstellen sollen, sowie verformte und zerquetschte Schädel und andere Fundstücke diverser archäologischer Stätten.

Zum Abschluss suchen wir noch ein kleines Lokal auf - eine ungünstige Wahl, wie sich herausstellt, als wir auf unsere Säfte lange warten müssen, mein Melonensaft zuerst mit Milch serviert wird und meine Anfrage nach einem Teller „nur mit Frijoles, Ensalada und Tortillas“ mit einem entsetzten Blick und „geht nicht“ quittiert wird.

Dementsprechend streifen wir, zurück in San Cristóbal, noch über den dunklen Markt und kaufen etwas Gemüse, das wir im Junax zu einer leckeren Soße für Nudeln verarbeiten und mit Avocadostücken verspeisen, während wir mit einer netten Mitbeobachterin den Comic des Verfassungsschutzes lesen, in dem wir über die Gefahren des Linksextremismus aufgeklärt werden.



25.11.09 San Cristóbal - Arriaga

Bei blauem Himmel und Sonnenschein frühstücken wir auf der Dachterrasse unserer Unterkunft - Tomaten-Basilikum-Brot mit Margarine, frischer Avocado und Tomatenscheiben. Anschließend gehen wir in einer kleinen Saftbar frisch gemixte Obstsäfte (Banane-Ananas) genießen, die ein kleiner Mexikaner mit blauem Mundschutz serviert.
Gegen Mittag begeben wir uns auf den Platz vor der Kathedrale. Eine kleine Bühne ist aufgebaut. Ein großes buntes Transparent mit der Aufschrift „Mujeres del mundo juntas contra la militarizacion y las guerras“ (Frauen der Welt, gemeinsam gegen die Militarisierung und die Kriege) bildet die Kulisse für die Rednerinnen, die in emotionalen Reden die Gewalt gegen Frauen und die Tatenlosigkeit der Regierung anprangern, die sagen „estamos hartas de la discriminacion“ (wir haben genug von der Diksriminierung) und der Rollen, in die sie gezwungen werden, die fordern, ihre sexuelle Orientierung wählen zu können, ohne Anfeindungen ausgesetzt zu werden, bestimmen zu können, ob und wie viele Kinder sie wollen, die genug davon haben, Inzestopfer ihrer Väter, Brüder, Onkel oder Cousins zu werden…
Drei Frauen erzählen die Lebensgeschichten von drei Schwestern nach, die in der dominikanischen Republik im Widerstand waren und am 25. November ermordet wurden - weswegen dieses Datum für den „Día de la no-violencia contra la mujer“ gewählt wurde.
Vor der Bühne sind etliche Stofftransparente ausgelegt, Überbleibsel der Demonstration, die am Morgen stattfand. Schließlich werden diese zusammengerollt und -gefaltet, sowie zur Seite geschoben.
Eine Gruppe von Männern und Frauen aus Katalonien und Guatemala stellen szenisch ein Märchen da: „Wie Aschenputtel kein Huhn essen wollte und die Hühner fliegen wollten“. Es handelt davon, wie Aschenputtel irgendwann „Basta“ brüllt, sich von ihrem motzenden Macho-Prinzen trennt, der ihr auferlegt, Huhn zu kochen (dabei ist sie Vegetarierin) und wie ihr es gemeinsam mit diversen anderen Märchenfiguren gelingt, sich von ihrer zugeschriebenen Rolle zu befreien.

Nach dem Programm gehen wir ein paar Freunde_Innen abholen und begeben uns zu einem israelischen Restaurant, dessen Wand bunt beschrieben ist - „Gabel“, „Löffel“, „Kichererbse“ ist hier auf den verschiedensten Sprachen zu lesen. Zusammen mit einer frisch mit Limette und Minze zubereiteten Limonade lassen wir uns hier die besten Falafeln der Welt schmecken - mit selbstgebackenem Fladenbrot, viel dickem Hummus, frisch gemachten Falafelbällchen, knackigem Salat und leckerer Chilisoße.

Den Nachmittag vertrödeln wir mit Internet und Packen, bis wir uns mit ein paar Bierchen ins Wohnzimmer setzen und zum Abschied nochmals mit ein paar lieb gewonnen Mitbeobachter_Innen anstoßen.

Um 22:15 schließlich verlässt unser Bus das Terminal und fährt durch die Dunkelheit. Ich höre Musik, nicke immer wieder ein, draußen rauschen Städte und Lichter an uns vorbei. „Arriaga“ steht dann in großen Lettern auf der vor uns aufragenden Wand des Busbahnhofs und wir quälen uns um 2 Uhr nachts aus den bequemen Sesseln unseren Luxus-1.Klasse-Busses.
Verschlafen treten wir hinaus in die milde Nacht. Palmen stehen am Straßenrand.
„Wissen Sie, ob es ein billiges Hotel gibt, das uns noch aufmacht?“, gehe ich auf einen der wartenden Taxifahrer zu.
„Sind so 200 Pesos in Ordnung?“, fragt er nach, „damit ihr euch auch gut ausruhen könnt…“
Wir nicken, kurz darauf sind unsere Rucksäcke im Kofferraum verstaut und wir sind auf dem Weg zu unserer Ruhestätte. Dort fällt die Auskunft allerdings negativ aus - aufgrund eines Radrennens seien alle Zimmer der Stadt belegt.
„Ich kann es noch bei einem anderen probieren, da sind die Matratzen allerdings etwas schmutzig etc“, bietet der Fahrer an.
Auch da jedoch - Fehlanzeige.
Bleibt die dritte Alternative: Ein Motel, in dem 100 Pesos für vier Stunden berechnet werden. Das würde man in Deutschland wohl mit „Stundenhotel“ betiteln.
Ein Stück stadtauswärts fährt das Taxi in die Einfahrt eines solchen Motels ein und erkundigt sich bei der Frau, die aus einem kleinen Steinhäuschen tritt, welches als Rezeption dient, nach dem Preis eines Zimmers.
„100 Pesos“, kommt prompt die Antwort.
Für uns scheint die 4-Stunden-Regel außer Kraft gesetzt zu werden. „So um 9 oder 10“ sollten wir das Zimmer verlassen, heißt es nach meiner neuerlichen Nachfrage.
Somit bezahlen wir und lassen uns müde auf der Matratze nieder, die auf einem großen Betonquader liegt. An der Wand befindet sich ein Schalter mit der Aufschrift „Musik“ und ein ausgedrucktes Blatt Papier neben der Tür informiert über den Preis von Bier, Zigaretten und Kondomen, aber das Zimmer ist sauber, die Klimaanlage kühlt die warme Luft und das Bett bequem.


26.11.09 Arriaga - Juchitán

Während Janosch schon duscht und sich die Zähne putzt, wälze ich mich noch träge im Bett herum. Nur widerwillig schlage ich schließlich das Laken zurück.
Wir verlassen unser Zimmer und lassen uns ein Taxi rufen, das uns ins Stadtzentrum bringt und vor einem Lokal absetzt, das der Fahrer uns empfiehlt - Frühstücksbuffet für 35 Pesos.
Wir folgen dessen Rat, schaufeln unsere Teller mit gebratenen Bananen, Frijoles und grünen Jalapeno - Chili - Ringen zu und balancieren sie, zusammen mit den Kaffeetassen zu unserem Tisch am Schaufenster, wo schon ein Berg Tortillas wartet.
Nachdem wir uns die Bäuche voll geschlagen haben, schlendern wir mitsamt unserem Gepäck durch die Stadt. Auf den Häuserwänden prangt Wahlwerbung, Autos hupen, Menschen drängen sich auf den Bürgersteigen, in den Läden stehen schreiend bunte Klamotten zum Verkauf, davor ein kleiner Stand mit gebrannten DVDs. Eine gewöhnliche, mexikanische Kleinstadt - wären da nicht die Schienen, die quer durch die Stadt verlaufen. Ein unscheinbares, heruntergekommenes Bahnhofsgebäude. Ein Güterzug, vom Rost rötlich gefärbt, steht wie vergessen auf den Schienen, im Hintergrund blaue Bergkulisse, von Wolken umspielt. Und am Rand der Eisenbahnlinie eine Gruppe Männer, vom Leben gezeichnet, sitzt wie vergessen mit kleinen Bündeln auf dem Rücken auf vertrocknetem Gras.
In Arriaga kommen die Flüchtlinge aus Guatemala, El Salvador, Honduras an und warten auf den Zug, der sie ins gelobte Land bringen soll, nach Norden, über die Grenze in die USA.
„Hola“, ruft man uns entgegen. Einer läuft uns nach. Seine Haare sind zerzaust, seine Aussprache undeutlich. Er hat getrunken. Auf Englisch erklärt er uns, wo die „Casa de los Migrantes“ ist - dort könnten wir uns ausruhen und duschen.
Als er merkt, dass ich Spanisch spreche, wechselt er die Sprache. Ihn würden sie nicht mehr hineinlassen, sie hätten ihm schon eine Woche gegeben, 4 Tage. Aus Guatemala käme er. „Dort bis zur Ecke, dann rechts“, sagt er und weist nach links, „und dann immer die Straße entlang.“
Wir beschließen, bei dem Haus vorbeizugehen und um Informationen zu bitten. Die geteerte Straße geht schnell in einen staubigen Weg über, von ärmlichen Häusern gesäumt, in dessen Gärten Wäsche zum Trocknen hängt.
Wenige Bäume stehen auf kargem Land, verbrannter Erde. Müll liegt auf trockenen Grasbüscheln.
Vor uns gehen langsam zwei Männer. Einer trägt einen kleinen Rucksack auf dem Rücken, der andere einen schmutzigen Sportbeutel.
Die „Casa del Migrante“ befindet sich ganz am Ende dieser staubigen Straße, Endstation. Jesus prangt auf dessen Frontseite. Wir treten an die Tür „Buenos días“. Ein dünner Mann mit wirrem Haar und schlechten Zähnen, der einen Besen in der Hand hält, öffnet uns „Good morning“, „how are you this morning?“, sagt er lächelnd.
Im Büro tragen wir unsere Bitte vor. Ein Stuhl wird für uns frei geräumt, verschiedene Medikamentenschachteln lagen darauf verstreut. Der Schreibtisch ist mit Papierstapeln bedeckt. Im hinteren Teil des Büros sitzt jemand an einem veralteten Computer.
Es tue ihm Leid, heißt es dann, aber wir müssten zuerst mit dem sacerdote sprechen, um eine Autorisation zu erhalten. Ohne die dürfe man uns keine Auskunft geben.
So ziehen wir also unverrichteter Dinge wieder ab, begeben uns zum Terminal. Ich gehe auf die Toilette, wobei ich für meine 3 Pesos nicht nur Klopapier, sondern auch eine Eintrittskarte fürs Betreten dieser sanitären Einrichtung erhalte.
Eine halbe Stunde später in einen Bus steigen und Arriaga hinter uns lassen, zusammen mit all’ den verlorenen Menschen, die an den Schienen sitzen, auf den Zug und auf ein besseres Leben warten.

Palmen ziehen an uns vorbei, Stände mit Kokosnüssen, Betonbrücken, an deren Pfeilern Taxifahrern neben ihnen Fahrzeugen im Schatten liegen, Pferde- und Ochsenkarren, ärmliche, bunt angestrichene Häuser, brennende Müllhalden, in einem Garten sitzt ein kleiner Junge mit einem Plastikbecher in der Hand geduckt in einer liegenden Metalltonne…
Wir passieren vier Kontrollen auf dem Weg, Militärposten, Migrationspolizei. Die Beamten spähen in den Bus, laufen durch die Sitzreihen, einmal müssen wir unsere Pässe vorzeigen. Soldaten stehen auf ihrem Posten, das vor ihnen montierte Maschinengewehr auf die Straße gerichtet.

Gegen 15 Uhr kommen wir in Juchitán an. Die Luft ist warm, trotz starker Windböen, die regelmäßig an uns zerren. Schwer beladen mit Gepäck trotten wir durch die Straßen, auf der Suche nach einer Unterkunft.
Schließlich fragen wir in einem kleinen Lokal nach und erhalten den Tipp für eine Posada, die nur zwei Blöcke weiter und dann ein wenig die Straße hinunter liegen soll. Nach ca. 5 - maligem erneuten Informieren und ca. 5 - maligem Versichern „das ist eine Straße weiter und dann gleich rechts“, finden wir endlich „eine Straße weiter und dann gleich rechts“ tatsächlich besagte Posada und quartieren uns für 120 Pesos die Nacht in einem kleinen Zimmer im zweiten Stock ein.

Juchitán ist ein kleines Städtchen mit etwa 68000 Einwohnern, in dem Tourist_Innen quasi inexistent sind und das sich besonders durch zwei Fakten auszeichnet: Traditionell lebt man hier im Matriarchat, die Frauen gehen arbeiten und bringen das Geld nach Hause, während die Männer zu Hause bleiben und sich um den Haushalt kümmern - und - es gibt offiziell drei Geschlechter: Männer, Frauen und Muxche.
Tatsächlich sieht man ab und zu Menschen in Bluse und Rock, mit rot geschminkten Lippen, aber auffällig maskulinen Zügen. Eine Verkäuferin, die hinter einem kleinen Stand mit Süßigkeiten sitzt, zeigt den Ansatz einer Glatze auf dem Kopf.
Noch in San Cristóbal wurde uns erzählt, dass ein Einwohner erklärt hatte, Muxche seien hoch angesehen hier und „jede Familie soll[e] einen haben“.

Wir schließen den Tag mit einem langen Spaziergang ab, dem Sonnenuntergang entgegen, vor dem sich die dunklen Silhouetten von Kokospalmen abheben. Schwalbenschwärme bevölkern die Bäume und füllen die Luft mit lautem Gezwitscher. In einem kleinen Restaurant bitten wir um eine vegane Zusammenstellung, die uns prompt zubereitet wird, dazu trinke ich eine heiße Schokolade in Wasser, was typisch ist für Oaxaca. Sie schmeckt dick und süß und nach Zimt.


27.11.09 Juchitán

Nach einem guten billigen Frühstück in einem kleinen Lokal mit Plastiktischen - wir essen Chilaquiles (frittierte Tortilla-Stücke in einer leicht pikanten Tomatensoße) mit Frijoles, ich trinke dazu einen Bananenshake mit Zimt, Janosch einen viel zu süßen, nach Kaugummi schmeckenden Fanta-Verschnitt - machen wir uns auf den Weg zum „Ojo“ (Auge), einer Badestelle. Mit zwei Bussen, einem klappriger als dem anderen, mit Sprüngen in den Fensterscheiben und Vorhängen, die sich wie Segel im Fahrtwind blähen, gelangen wir schließlich in einen kleinen Ort, wo ein handgemaltes Schild auf den „balneario el ojo“ verweist und der Busfahrer uns den Wink zum Aussteigen gibt.
In den kleinen Gärten der ärmlichen Häuser sind Hängematten aufgespannt. Ein Straßenhund liegt träge im Schatten.
Am Ende des staubigen Wegs findet sich tatsächlich ein schiefes Metalltor, das in die Anlage weist. Der Ort wirkt verlassen, die Türen hängen krumm in den Angeln, vor den Toiletten hängen schwere Vorhängeschlösser.
Ein Fluss strömt durch den hinteren Teil der Anlage, zwei kreisrunde Becken, die wohl ehemals durch Aufstauen von ihm gefüllt wurden, verbleiben leer und trostlos.
Wir lassen uns jedoch die gute Laune nicht nehmen, sitzen am Flussrand, lesen und essen reife kleine Bananen. Staksen schließlich ins Wasser, lassen uns vom Strom, der zwischen Steinen hervorschnellt, zwei-drei Meter mitreißen und genießen schlicht liegend das warme flache Wasser.

Zurück in Juchitán suchen wir ein öffentliches Telefon auf und wählen die Nummer, die uns ein Compa überlassen hat, als wir ihm noch in San Cristóbal von unserem geplanten Aufenthalt hier berichteten.
„Na klar habe ich Lust, mit euch ein Bierchen zu trinken“, schallt es direkt aus dem Hörer, „jetzt sofort?“
So kommt uns kurz darauf im Parque Central eine Gruppe von vier jungen Männern entgegen und führt uns in eine Bar, in der zu unserem Bier ganz selbstverständlich Suppe und Tacos aufgetischt wird. Anschließend ziehen wir auf Moped und im Auto (wobei Janosch und ich uns auf den Beifahrersitz quetschen, ich halte dabei meinen Kopf aus dem Seitenfenster in den zischenden Fahrtwind) weiter, fahren etwas außerhalb zu einem Privathaus mit angeschlossener Tienda, wo uns auf Wunsch Tisch und Stühle nach draußen gebracht werden und uns Bier in 1 - Liter - Flaschen serviert wird. Dort sitzen wir, unterhalten uns, lachen, knabbern geröstete Erdnüsse mit Chilisoße und trinken das ein und andere Bier.
Da die Mexikaner mitbekommen, dass Janosch noch nichts zu Abend gegessen und Hunger hat, winken sie zwei vorbeikommende Frauen heran, die Tamales verkaufen. Sofort stehen drei auf dem Tisch, als Janosch sie aufbricht, stellt sich heraus - mit Huhn. „Aber wir essen doch kein Fleisch“, erinnere ich sie. Prompt stehen drei neue vor uns, diesmal mit Frijol gefüllt und mit einer leckeren scharfen Soße beträufelt.
Generell sind die Jungs unglaublich gastfreundlich, bemüht, uns unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, teilen ihr letztes Gras mit uns, wollen uns kaum einen Anteil des Biers bezahlen lassen, begleiten uns schließlich bis kurz vor unserem zu Hause und erklären, wir sollten auf jeden Fall anrufen, falls wir noch bleiben würden oder irgendwas bräuchten.


28.11.09 Juchitán - Oaxaca Cd.

Gegen Mittag begeben wir uns zum 2. Klasse - Terminal und erstehen zwei Fahrkarten nach Oaxaca Stadt. Wir hieven unsere schweren Rucksäcke auf die Gepäckablage und machen es uns dann auf unseren Sitzen bequem. Ich schiebe das Fenster ein Stück auf, der Fahrtwind schlägt hinein und erfrischt die warme stickige Busluft.
Die vorbeiziehende Landschaft ist Wüstengleich, Kakteen verschiedenster Arten und Formen säumen die Straße, ragen mit verzweigten Armen aus trockener Erde in den blauen Himmel. Die Berge scheinen staubig, die Vegetation meist karg. Wenn Büsche die Hügel überziehen, wirken sie struppig und widerstandsfähig. Die Sonne brennt vom blauen Himmel. Ich spähe durch das Eck am Fenster, das nicht von verdunkelnder lila Folie überzogen ist, und kann mich kaum satt sehen an der Natur.
Zwischendurch halten wir, der Fahrer ruft sein Ziel in die Straßen. Neben dem Bus liegen zwei kleine Jungs auf einer Decke auf dem Asphalt. Eine Frau trägt einen Korb mit Maiskuchen auf dem Kopf, tritt in den Bus, um sie zu verkaufen.

Am frühen Abend kommen wir in Oaxaca an, wir fahren am Olympiastadion vorbei, das übersäht ist mit Graffitty, kein Meter, auf dem nicht an das Massaker am 2. Oktober 1968 erinnert wird, auf dem nicht betont wird „ni olvido, ni perdon“. (weder vergessen, noch vergeben)
Von einem Taxi lassen wir uns ins Zentrum chauffieren, zu einem Hostal, das im Reiseführer gelobt wird, uns aber unsympathisch vorkommt. Die Preise wurden wohl inzwischen mehrfach erhöht, sogar für die Nutzung einer Steckdose soll extra bezahlt werden. Trotzdem entscheiden wir uns, eine Nacht hier zu bleiben, um nicht jetzt noch lang suchen zu müssen.

Wir machen einen kleinen Spaziergang, bewundern den Sonnenuntergang von einem Platz aus, der direkt vor einer großen Kirche gelegen ist. Die Kirchtürme heben sich als mächtige Silhouetten vom abendlich gefärbten Himmel ab.
Bei mir setzen jedoch plötzlich Bauchschmerzen ein, weswegen wir rasch ins Hotel zurückkehren und schlafen.


29.11.09 Oaxaca Ciudad

Nach dem Frühstück, spazieren wir etwas durch die Stadt, trinken eine heiße Schokolade am Zócalo und erstehen bei einer kleinen indigenen Frau eine Tüte gerösteter Heuschrecken, die für 5 Pesos unerwartet üppig gefüllt ist. Auch dies ist eine Spezialität Oaxacas. Rund um den Markt sitzen Frauen hinter vollen Körben der von Chili rot gefärbten Insekten, Stände bieten die Tiere in verschiedenen Größen an. Neugierig fischt Janosch eins der kleinen Insekten aus der Plastiktüte. Die Heuschrecke knirscht zwischen seinen Zähnen, das Urteil fällt pragmatisch aus:
„Etwas weniger Chili und etwas mehr Knoblauch wäre gut gewesen.“
Schließlich ringe auch ich mich zu einem Probeexemplar durch (immerhin haben Heuschrecken kein ausgebildetes Nervensystem) und muss ihm Recht geben - knusprig und scharf.
Um 12.00 checken wir aus und verbringen eine Weile auf dem schönen Platz vor der Kirche, lesen, knabbern Erdnüsse und ich jongliere ein wenig. Dann verbringen wir ein gutes Stück des Tages mit der Suche nach einer Unterkunft, was sich schwieriger gestaltet als gedacht.
Das autonome Zentrum, dessen Adresse eine compañera uns mitteilte, zusammen mit der Info, man könne dort wohl auch billig übernachten, ist schon überfüllt mit Gästen, ein anderes Hostel ist geschlossen und zeigt nur den rätselhaften Aushang „no hay lugar hasta el 7 am, no vacation“, ein drittes existiert wohl nicht mehr, alles andere scheint überteuer. So schleppen wir uns samt Gepäck von einem Eck des Zentrums ins andere und zurück, bis wir schließlich in der Nähe des Marktes fündig werden.
Ein dunkler, schmuddeliger Hoteleingang führt zur Rezeption, wo wir für ein kleines, zwar etwas muffiges, aber sauberes Doppelzimmer einen akzeptablen Preis aushandeln können.
Endlich wieder ohne Gewicht auf dem Rücken schlendern wir erneut durch die Straßen, bewundern die zahlreichen Kirchen und Sprayereien und lenken unsere Schritte schließlich zu einem kleinen Restaurant, wo wir frischen Orangensaft und Soya-Spinat-Burger zu uns nehmen.
Gegen Abend begeben wir uns zu einer Bar, gönnen uns etwas Bier und tanzen später zu der Live-Band, die einen schlechten Bob Marley - Cover - Remix, sowie andere Reggae und Ska - Stücke zum Besten gibt.


30.11.09

Wir frühstücken im Freien, auf sonnigen Stufen eines großen Platzes. Auf dem Markt erstanden wir gestern noch handgemachte Tortillas, Avocados und Tomaten. Zusammen mit Frijoles aus der Dose (welch Frevel mitten in Mexico) rollen wir uns daraus schmackhafte Tacos (Janosch spickt seinen noch mit den letzten Chili-Heuschrecken).
Den Tag über spazieren wir durch die Straßen der Stadt, bewundern die Mauern eines alten Äquadukts, Kathedralen, Plätze, Graffitties und die hiesigen Repressionsorgane in Gestalt von schwer bewaffneten Polizisten.
In der humanistischen Fakultät entdecken wir eine Ausstellung namens „Graffitty Oaxaca“, die Fotos von besonders künstlerischen und auffälligen, auch kritischen, Wandbildern zeigt.


01.12.09 Oaxaca Cd - San José del Pacífico

Über Nacht wurden auf dem Zocalo Hunderte von Weihnachtssternen gepflanzt. Die Einheimischen, Tourist_Innen und Bettler_Innen bewegen sich nun zwischen Inseln roter Pflanzen. In einigen Kaufhäusern und an Ständen erblicken wir Weihnachtsschmuck, Tannenbäume und Plastik - Weihnachtsmänner, die uns fehl am Platz erscheinen, während wir im T - Shirt durch die Straßen schlendern und uns die Sonne auf den Kopf brennt.

In einem kleinen Café nehmen wir „Soya im Stil von Rührei“ zu uns, Soyagranulat mit Tomaten und Zwiebeln angebraten, serviert mit Frijoles und Tortillas. Dazu gibt es frischen Fair-Trade-Kaffee - welch positive Abwechslung zum Instant - Nescafé, der hier meistens angeboten wird. Wir sind immer wieder erstaunt, was für vegane Leckereien wir ab und zu entdecken.
Um 12.00 verlassen wir unser Hotel und setzen uns auf dem Zócalo in den Schatten, lesen, beobachten die Menschen und ein Eichhörnchen das über ein Kabel von einem Baum zum anderen balanciert.
Ein Mann in Sandalen und verdreckter Kleidung setzt sich neben uns und atmet uns eine Alkoholfahne entgegen. Er lallt, bittet uns um Geld.
„Du bist doch schon betrunken“, erwidere ich.
Daraufhin erklärt er mir, dass er immer Mezcal (eine Art Tequila) mit Salz trinkt und sich deshalb nicht übergeben muss.
Ob wir ihm nicht eine Münze schenken könnten?
Ich weise ihn freundlich darauf hin, dass wir selber nur mit wenig Geld reisen und es uns daher auch nicht leisten könnten, uns zu betrinken.
Nein, nein, er wolle nichts mehr trinken. Aber dann faselt er doch wieder etwas von Bier und von Mezcal.
Erneut versichere ich ihm „du hattest doch auch Geld, um dich zu betrinken. Wir geben dir kein Geld, tut mir Leid.“
Ob er dann mein Buch bekommen könnte, er brächte es mir später wieder.
„Dann habe ich ja nichts mehr zu lesen…“
Das Gespräch dreht sich noch ein wenig im Kreis, bis er schließlich seinen Sitzplatz verlässt und von dannen torkelt.

Gegen 14.00 suchen wir das innerstädtische 2.Klasse - Terminal auf und besteigen einen alten, klapprigen Bus, der zur Küste fährt und uns auf dem Weg, in 2750 m Höhe in San José del Pacífico absetzen soll.
Wir verlassen die Stadt und kurven erneut durch trockene Hügel, zwischen einsamen Kakteen und dünnen, dürren Bäumchen hindurch. Am Horizont ziehen sich zerklüftete Berghänge entlang, die Sonne schiebt ihre Strahlen durch kräftige weiße Wolken. Wir passieren kleine Städtchen, oft nur ein paar Häuser, die sich an die Straße drängen. Im Laufe der Zeit senkt sich die Sonne der Erde entgegen, der Himmel färbt sich dunstig rot, der Vollmond hängt im mystischen Licht.
An einem kleinen Militärposten werden wir an den Rand gewunken. Ein junger Soldat betritt den Bus und schreitet durch die Reihen, begutachtet die Gepäckstücke, guckt hinter die Sitze. „Wohin wollt ihr?“ fragt er uns und wirft einen Blick in unser Handgepäck. Er nickt und zeigt auf unsere Rucksäcke, die über uns verstaut sind. „Pura ropa?“ (nur Kleidung), ich beeile mich, zuzustimmen.
Mit einem Buch über den Einfluss der EZLN auf die Situation der Frau in Chiapas, einem Gedichtband von Mao Tsetung, sowie einem Buch vom Subcomandante Marcos im Gepäck und einem Bergdorf, dessen Gegend bekannt ist für „Magic Mushrooms“, als genanntem Reiseziel, bin ich erleichtert, als der Soldat den Inhalt unseres Rucksacks nur flüchtig überblickt und keine weiteren Fragen stellt, sondern sich einer Tasche im vorderen Teil des Fahrzeugs zuwendet. Schließlich können wir unseren Weg fortsetzen.
Unser Bus schraubt sich in die Höhe, am Hang entlang, dem Mond entgegen. Nebel zieht auf, der Himmel wird schwarz. Die Sicht wird immer schlechter, der Bus immer schneller. Der Abhang ist kaum noch zu erkennen, ist gefüllt mit dicken Nebelschwaden, die Scheinwerfer scheinen die Luft kaum zu durchdringen.
„San José del Pacífico“, ruft der Fahrer schließlich nach hinten und lenkt den Bus an den Straßenrand. Wir wuchten die Rucksäcke von der Ablage und treten in die Nacht.
In einer Tienda fragen wir nach einer billigen Unterkunft. „Gleich da oben“, werden wir verwiesen, „ fragt nach Dona Augustina“.
So landen wir kurz darauf in einem kleinen Zimmer, in dem wir den Abend mit einem Corona, Erdbeeren und schlichten Tomaten-Zwiebel-Chili - Brötchen ausklingen lassen.


02.12.09

Morgens machen wir eine ausgedehnte Wanderung. Ich habe gelesen, hier in der Naehe sei ein Wasserfall, nach dem wir uns auf die Suche machen. Besagten Wasserfall finden wir zwar nicht, dafuer spazieren wir mehrere Stunden auf schattigen Wegen zwischen mossbehangenen Baeumen und Kiefern, treffen auf eine kleine Schafherde und exotische Kaefer. Bei unserem Ab- und Aufstieg begleitet uns dabei stetig eine sagenhafte Aussicht auf bewaldete Berghaenge vor knallig blauem Himmel, von Wolken umspielt...

Am Nachmittag besuche ich noch die sagenumwobene Doña Catalina, angeblich eine Schuelerin von der beruehmten Heilerin Doña Sabina, die sich an die Heilkraefte von magischen Pilzen zurueck erinnerte und nutzte.
Als ich den Garten von Doña Catalina betrete, bietet sich mir ein eher schraeges Bild: Um einem kleinen Holztisch sammeln sich mehrere Backpacker, einer von ihnen sitzt einer alten zusammengekruemmten Frau gegenueber, zwei lange graue Zoepfe fallen ueber ihren Ruecken, das Gesicht zieren Falten, in der linken Hand ruht ein vergessener Joint, laengst ausgegangen. Zwischen ihnen steht ein Schachbrett, auf dem die Frau - augenscheinlich Doña Catalina - mit fahrigen Bewegungen Figuren verschiebt. Die Regeln scheinen mit fortlaufendem Spiel mehr und mehr Catalinas Phantasie zu entspringen, denn sie tauscht undurchschaubar Figuren aus, ihr Mitspieler blickt verwirrt aufs Brett.
Meine Ankunft wird kaum registriert, schliesslich frage ich, ob ich mich dazu setzen kann, was allgemein bejaht wird.
So sitze ich eine Zeit lang neben der Meisterin auf der hoelzernen Bank und beobachte die Bewegungen der Schachfiguren. Die vereinzelten Gespraeche verlaufen zaeh, Joints werden rumgereicht, die Sonne zieht langsam ueber den Horizont. Als einer der Gaeste aufbricht, vollzieht Doña Catalina eine mystische Zeremonie, bewegt einen Stein vor seinem Koerper hin und her und drueckt ihn schliesslich dem Traveller in die Hand.
Irgendwann verabschiede ich mich wieder, ohne dass sich jemand nach dem Grund meines Kommens erkundigt haette, und schlendere wieder zu unserer eigenen Cabaña.


03.12.09

Nach dem Fruehstueck setzen wir uns samt Gepaeck an die Strasse und warten auf einen Bus Richtung Kueste. Bald darauf haelt ein Colectivo und nimmt uns mit. Langsam kurven wir die Berge wieder hinab, die Vegetation veraendert sich langsam - die Nadelbaeume werden rar, Palmen beginnen, die Strassen zu saeumen...
In Pochutla, an der Kueste steigen wir nochmals um, in ein Camioneta, bei dem man hinten auf der offenen Ladeflaeche Platz nimmt. Der bringt uns endgueltig an den lang ersehnten Strand.


06.12.09 San Augustinillo, Oaxaca

Am Morgen, wenn die Sonne noch nicht ganz so heiss vom Himmel brennt, joggen wir eine kleine Runde am Strand entlang, unsere Fuesse sinken sacht ein im warmen Sand, manchmal werden sie von den Wellen umspuelt. Die noch tief stehende Sonne laesst das Meer glitzern und den schwarzen Fels gleissen.
Wir werfen uns in die Wellen, Gischt spritzt uns ins Gesicht, wir lassen uns treiben und schaukeln.
Das Wasser tuermt sich auf, riesige Wellen rollen auf den Strand zu, ueberschlagen sich und treiben weiss-schaeumende Fontaenen vor sich her.
Wir erwischen den Wellenkamm, betrachten das Schauspiel der sich ueberrollenden Wassermassen von hinten - wie gestern, als die groessten Wellen halbe Regenboegen mit sich zogen, bis sie von der Brandung verschluckt wurden.
Wir fruehstuecken in einer der Strandbars, Guacamole und frisches Obst mit Koernermuesli, geniessen gemixte Fruchtsaefte, waehrend wir unseren Blick schweifen lassen - ueber Fussspuren im Sand, ueber die funkelnden Muster, die die Sonne bis zum Horizont malt, ueber den Tanz der Wellen, ueber Moewen und Pelikane, die ueber dem Wasser durch die Luft gleiten und ueber die schwaren Felsformationen, die aus dem Wasser ragen. Auf einem beherbergt ein von Zeit und Wind und Wasser gezeichnetes Steinhaeuschen einen Altar, in den Felsspalten verstecken sich unzaehlige kleine und groessere Krebse.
Palmen saeumen den Sandstrand und wiegen sich sacht im leichten Luftzug, das Rauschen der Brandung fuegt sich zu einer auf- und abklingenden Melodie, die Sonne waermt unsere nackten Fuesse...


11.12.09

Man wird traege hier am Strand... die Tagesablaeufe gleichen sich... wir liegen in hoelzernen Liegestuehlen im Schatten, lesen, geniessen frische Fruchtsaefte, hoeren dem Meeresrauschen zu, blinzeln in die Sonne, in die Wellen... abgewechselt nur von den wechselnden Buechern, die unsere lebendige Berliner Zimmervermieterin uns mit Begeisterung leiht - welche uns auch ab und zu frische Saefte zum Fruehstueck anbietet, uns immer wieder versichert "sowas wie euch gibts ja kaum noch, ich find das so toll was ihr macht", denn die meisten scheinbaren Freaks reisten inzwischen mit Geld, "goennen sich mal" ein Nobelhotel fuer 1700 Pesos die Nacht (zum Vergleich, wir zahlen hier 120); und die uns auch am letzten Abend zu Spaghetti Al Arrabiata, Bier und einem Dessert - Mezcal in das Restaurant einlaedt, das an die Posada angegliedert ist und sie mit ihrem Mann betreibt.
Abgewechselt nur dadurch, ob wir am Strand fruehstuecken oder an einem kleinen Tisch auf der Terrasse unserer Unterkunft,
von wo aus wir abends den atemberaubenden Sonnenuntergang verfolgen - am Strand, wo sich der Himmel hinter zerkluefteten Felsen verfaerbt oder ob sie glutrot vor schwarzen Silhouetten der Palmblaetter versinkt.
Abgewechselt nur vom Beobachten der behaenden Krebse in den Felsspalten, vom Bauem einer autonomen Sandburg, inklusive antifaschistischem Schutzwall, und von einer spektakulaeren Rettungsaktion:

Denn einmal, wir hatten uns mal wieder zum Joggen aufgerafft und wollten uns anschliessend nur kurz im Meer abkuehlen, geraten wir in den Sog der Wellen. Wir schwimmen nahe der Felsen, das Wasser zieht uns aufs Meer.
Wir sind bisher immer hier geschwommen, jedes Mal trugen uns grosse Wellen wieder so weit in Ufernaehe bis unsere Zehen wieder den Grund spuerten.
Diesmal jedoch bleiben die grossen Wellen aus, unsere Armschlaege scheinen wirkungslos, kaum haben wir uns ein Stueck Richtung Kueste gekaempft, treiben wir mit dem Sog wieder zurueck. Gegen die Kraft des Meeres sind die Ruderbewegungen unserer Arme ohne Nutzen. Leise Besorgnis keimt auf...
doch bevor sie wachsen und zur Panik reifen kann, kommt Bewegung in den zuvor fast menschenleeren Strand. Zwei Maenner klettern flink auf den Klippen in unsere Naehe, werfen uns zwei leere Kanister zu, an denen wir uns festklammern sollen; gleichzeitig hechten zwei andere mit Flossen in die Fluten und paddeln uns entgegen.
Bei mir angekommen, legt mein Rettermir ein Schaumstoffpolster um die Huefte, eine Schlinge, in der ich nun hinter ihm her gezogen werde, waehrend er sich in raschen Schwimmzuegen von den Felsen wegbewegt. Er scheint hektischer als ich - "toma aire, toma aire" (Hol Luft, hol Luft!) raet er mir mit gehetzter Stimme bei jeder groesseren Welle, bevor die weisse Schaumkrone uber uns einschlaegt und uns ueberrollt.
Die Sogwirkung laesst nach, je mehr wir uns von den Klippen entfernen und so schieben uns die Wellen selbst dem Strand entgegen, bis wir wieder auf dem nassen Sand stehen und mein Retter mich entlaesst.
"Muchisimas gracias", bedanke ich mich etwas beschsaemt ob des Aufhebens und denke insgeheim, dass wir es wohl auch allein noch geschafft haetten, bin aber trotz allem froh, dass die Salvavidas (Lebensretter) hier offensichtlich immer in der Naehe sind und schnell reagieren.
Ein Surfer steht am Strand, blickt mir kritisch entgegen.
"Ihr wart doch schon oefter da schwimmen, ihr muesst doch die Stroemung bemerkt haben!", blafft er mich an.
"Si, pero siempre pude salir sin problemas..." (Ja, aber ich konnte bisher immer ohne Probleme wieder rauskommen), versuche ich mich zu rechtfertigen.
"Nirgends, an keinem Strand der Welt, kann man in der Naehe der Felsen schwimmen, nirgends!", erklaert er mir daraufhin streng.
...jetzt wissen wir's... (Haetten wir nur mal unseren Reisefuehrer aufmerksamer gelesen: "Auch schwimmen kann man hier (in San Augustinillo) wunderbar - Sicherheitsabstand zu den Felsen einhalten!")
Spaeter berichtet uns Tina, das hier tatsaechlich schon einige Leute ertrunken sind. Wir goennen uns daraufhin erstmal ein ausgiebiges Fruehstueck, zu dem Tina einen frischen Marakuja-Saft sponsert und abends gibt sie uns zur Feier des Tages ein Glas Mezcal aus, mit dem wir auf unser gerettetes Leben anstossen!

Heute Abend spazieren wir zur "Punta Cometa", dem angeblich westlichsten Punkt Oaxacas, an dem sich das Meer zu allen Seiten unendlich ausdehnen zu scheint und die Sonne als feuriger Glutball am Horizont versinkt und das Wasser in fluessiges Gold verwandelt, waehrend Kakteen als skurrile schwarze Silhouetten den feurigen Himmel kontrastieren...


13.12.09 - 16.12.09 Zipolite, Oaxaca

Schliesslich zieht es uns weiter - allerdings vorerst nur 4 km ins etwas groessere Zipolite.
Zipolite ist weniger ein mexikanisches Dorf als eine westliche Enklave. Mexikaner_Innen finden sich hier leider hoechstens als Supermarktverkaeufer_Innen oder Angestellte in den unzaehligen Hostels und Bars. Stattdessen tummeln sich hier Traveller_Innen, Aussteiger_Innen und Drogentouris aus aller Welt, sowie braungebrannte US-amerikanische Paerchen auf Mexiko-Trip.
So wird uns von einer Punkerin auf Englisch ein Hotel direkt am Strand empfohlen, dessen US-amerikanischer Besitzer Daniel trotz seinen 12 Jahren in Mexiko kaum ein Wort Spanisch spricht, uns aber sofort einen Willkommens-Joint anbietet. Als wir in den Haengematten des Hotels liegen, die eine breite Aussicht auf den lebendigen Strand bieten, spricht uns ein Mann neben uns an und fragt nach der Dauer unseres Aufenthalts.
"Ein paar Tage", erklaeren wir, woraufhin er lacht und meint: "Ja, ich habe auch immer vor, fuer ein paar Tage herzukommen. Und dann bleibe ich ein paar Monate."

Spaeter machen wir einen Spaziergang ueber den langgezogenen, blendend weissen Sandstrand, auf dem in regelmaessigen Abstaenden gruene, gelbe oder rote Fahnen wehen, um die Gefaehrlichkeit der Wellen an dieser Stelle anzuzeigen. Einer der allgegenwaertigen Verkaeufer kommt uns entgegen - nur preist er hier nicht Schmuck oder Haengematten an, sondern "Marihuana, Kokain?".

Wir passen uns dem Publikum in Zipolite an, verbringen die Tage in den Haengematten, blicken auf die Wellen, die in der Sonne glitzern, unterhalten uns und lesen bei Bier und Erdnuessen oder Keksen. Daniel streift mit nacktem Oberkoerper und weissen Haaren auf der Brust durch die Gegend, verschenkt seine selbstgebackenen Hasch-Cookies und erzaehlt mit funkelnden Augen vom Grad seines High-Seins am gestrigen Tag.

Auf Janoschs Draengen hin machen wir auch eine "Waltour". Mit einer kleinen Gruppe Tourist_Innen folgen wir dem hektisch und laut redenden Veranstalter, der stets bemueht ist, einen davon zu ueberzeugen, es sich ja nicht noch einmal anders zu ueberlegen und lassen uns von ihm in ein Taxi lotsen, dass uns in einen nahe gelegenen Ort bringt. VOn dort geht es in einem kleinen Motorboot aufs Meer hinaus, wo wir Wasserschildkroeten beobachten koennen, die ihren Kopf aus dem Wasser strecken. Delfine springen zu zweit oder dritt aus den Wellen.
In einer Bucht machen wir eine Pause zum Schnorcheln. Bunte, gleissende Fische tummeln sich zwischen den Korallen. Kleine, grosse, gestreifte, gefleckte, bunte, einfarbige, in kraeftigen Farben und glitzernden, leuchtenden Regenbogentoenen. Wir folgen ein Stueck weit einem laenglichen, Muraenen-ahnlichen Tier, bewundern Algen, Wasserpflanzen und lebendige Fischschwaerme.
An einem kleinen Strand legen wir ein weiteres Mal an, malerische Palmen ragen in den blauen Himmel, bis wir schliesslich den Rueckweg antreten, auf dem wir tatsaechlich noch die versprochenen Wale erblicken. Geruhsam gleiten zwei riesige schwarz-glaenzende Leiber durchs Wasser, beschreiben einen Bogen ueber die Wellen bis die gigantische Schwanzflosse wieder unter Wasser verschwindet...


16.12.09 - 21.12.09 Ueber Juchitán und Tonalá zur Boca del cielo, Chiapas

Nach einer weiteren Nacht in Juchitán aufgrund unguenstiger Busverbindungen, kommen wir am 17.12. an der Boca del Cielo (Mund des Himmels) an. Einer sehr schmalen, langgezogenen Insel, auf der sich kleine hoelzerne Cabañas und typische Restaurants aneinanderreihen und mit Palmengrueppchen abwechseln.
Unsere Cabaña ist mit Palmblaettern gedeckt. Wir verbringen die Tage am Strand, huepfen in die Wellen, lesen, schluerfen frische Kokosmilch aus noch gruenen Kokosnuessen, die mit einer Machete aufgeschlagen wurden, beobachten die Pelikanschwaerme, die knapp ueber den rollenden Wellen fliegen und blinzeln in die Sonne. Die Insel ist beinahe menschenleer, man fuehlt sich gestrandet im Paradies...
Die Besitzerin unserer Cabaña bereitet uns am Abend leckeres, einfaches Essen zu - Reis mit Bohnen und Tortillas - und berechnet uns kaum etwas dafuer.
So plaetschern die Tage so dahin...
31.1.10 21:21
 


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